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Digitale Währungen könnten Strukturen für neue Bezahl- und Berechnungsmethoden bieten

Für Friedemann Brenneis steht außer Frage, dass digitale Inhalte digitales Geld brauchen. Allerdings machte sein Vortrag auf dem Cashcamp der Landesanstalt für Medien NRW auch klar, dass die Produzenten digitaler Inhalte das noch nicht wirklich erkannt haben – trotz der für Brenneis unbestrittenen Vorteile digitaler Währungen.

Bitcoin
Kann man digitale Inhalte mit digitaler Währung besser verkaufen? (Foto: silverhousehd / unsplash.com)

Brenneis, unter anderen bekannt durch seine Webseite coinspondent.de, ging es beim Cashcamp vor allem darum, die Stärken digitaler Währungen zu beschreiben und zu erklären, warum dem digitalen Geld trotz der aktuell noch geringen Verbreitung die Zukunft gehört. Zunächst skizzierte er die wichtigsten Fakten rund um Bitcoin, allerdings ohne auf Methoden, Kosten und Profiteure der Bitcoin-Produktion einzugehen: Als 2009 online gegangenes „erstes natives Internetgeld“ ist der Bitcoin unter anderem jederzeit verfüg-  bzw. bewegbar, offen für alle, weltweit gültig, günstig und plattformunabhängig.

Digitale Währungen: Günstige Zahlungsabwicklung und neue Infrastrukturen

Außerdem, nicht zuletzt darin liege der Nutzen für digitalen Journalismus, sind Bitcoins bestens geeignet für Micropayments.  Überweisungen von 0,01 Ct seien damit möglich, während die Transaktionskosten anderer Zahlungsmethoden selbst deutlich höhere Überweisungen unwirtschaftlich machten. Dabei sind Zahlungen per Bitcoin laut Brenneis nur ein Aspekt des Potenzials der digitalen Währung.  Letztlich handele es sich um die Grundlage für eine völlig neue Infrastruktur, um ein Instrument, mit dem man zum Beispiel Stimmrechte und Zertifikate verwalten oder Verträge schließen könne.

Den Referenten dürfte es nicht überrascht haben, wenn diese Aussichten auf manche Gäste des Cashcamps wie Science Fiction oder immerhin Raketenwissenschaft wirkten. Denn in der Folge legte er dar, dass Bitcoins und digitale Währungen insgesamt aus Sicht der erwachsenen über 35jährigen Mehrheit „gegen die natürlich Ordnung“ seien. Selbstverständlich sei digitales Geld nur für diejenigen, erklärte er mit Verweis auf Douglas Adams, die nach dessen Einführung geboren wurden; für die bis 35jährigen könne es immerhin neu und aufregend sein. Diese These belegte er durch den Verweis auf verschiedene Umfragen und Beispiele von 6 oder 11jährigen Bitcoin-Fans, die zu erfolgreichen Experten wurden. Als einen Beleg für die Ertragsmöglichkeiten von Bitcoins nannte Friedemann Brenneis die Vervielfachung seines Werts während letzten Jahrzehnts.

Bitcoin als Chance für „Indie-Medien“?

Obwohl Transaktionen per Bitcoin für Anbieter wie für Konsumenten digitaler Inhalte von Vorteil seien, sieht der „coinspondent“ bislang nur wenige mediale Angebote für Bitcoin-Besitzer: Twitch gibt Abonnenten 10 Prozent Rabatt, wenn sie mit digitalem Geld zahlen, auch die taz lässt sich durch anonymes Bezahlen per Bitcoin von den Nutzern und Nutzerinnen ihres digitalen Angebots unterstützen.

Allerdings glaubt Brenneis nicht, dass Verlage Treiber der Bitcoin-Verbreitung werden. Einerseits, weil Deutschland ein gutes und funktionierendes Finanzsystem habe, das nicht unbedingt Alternativen erfordere; andererseits, weil Verlage einfach nicht „agil“ genug seien. Er geht davon aus, dass vor allem unabhängige, „Indie“- Journalisten sich mit dem „Tool“ Bitcoin befassen werden, künftig also verstärkt Kolleginnen und Kollegen, die als Folge des Strukturwandels ihre Festanstellungen verlieren.

Für die könnten sich die zahlreichen, zum Teil noch nicht erkannten Stärken der Bezahlung mit Bitcoin rechnen: Man könne Kunden gewinnen, die nicht zahlungsbereit seien, weil damit bislang zu große Datenflüsse ausgelöst würden – Paypal zum Beispiel gebe Nutzerdaten an rund 700 Partner weiter, während Bitcoin-Zahlungen absolut anonym abliefen.

Neben den geringen Transaktionskosten seien die Spielmöglichkeiten für Be- und Abrechnung per Bitcoin ein echtes Alleinstellungsmerkmal: Mit der  digitalen Währung könne man den Nutzern anbieten, pro Zeiteinheit, pro Absatz oder auch pro Buchstabe zu bezahlen- inklusive Rückerstattungsoption bei Nicht-Gefallen.

Noch seien die vielfältigen Möglichkeiten von Bitcoin nicht gut genug bekannt geschweige denn großflächig in die Praxis umgesetzt. Gerades deshalb, so Brenneis, könne man heute vom  „First-Mover Benefit“ profitieren.  Auf Dauer, spätestens wenn die Zahl der „Digital Money Natives“ groß genug sei, würden Bitcoins mehr und mehr in die Wirklichkeit einsickern, und zwischendurch dürften Kurssprünge für Boomphasen sorgen. Wer dann mithalten wolle, müsse „Digital Money Immigrant“ werden.

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