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Wie das Good News Magazin konstruktiven Journalismus in den Mainstream holen will

Viel Zeit hat Florian Vitello nicht, als wir uns zum Interview verabreden. Der Co-Founder des Good News Magazin hat mit seinen fast 50 ehrenamtlichen Helfern viel zu tun. “Aber wenn du Morgens aufwachst”, erklärt Florian später, dann weißt du, wir geben Menschen, die etwas Gutes tun, eine Stimme.” Und das kommt an: Mit 60.000 monatlichen Seitenaufrufen gehört das Magazin zu den großen Seiten seiner Art. Wie das Team das ehrenamtliche Projekt in ein nachhaltiges und erfolgreiches Startup verwandeln will, darum geht es in diesem Interview.

 

Hallo Florian, wer bist du und wie bist du zu Good News gekommen?

Hallo Thomas, ich bin Journalist und Digitalberater für Non-Profits. Mit MediaMundo habe ich eine kleine Medien-NGO in Köln gegründet, die von der Civil Academy gefördert wurde. Über dieses Stipendium habe ich vor ziemlich genau einem Jahr David Gaedt kennengelernt, der seinerzeit noch das alte „Good News“ aufbaute. Da ist der Funke direkt übergesprungen und wir haben nächtelang diskutiert und Ideen geschmiedet. Irgendwann hat er mich gefragt, ob ich einen Artikel schreiben würde. Das habe ich dann gemacht. Und der hat so gut funktioniert, dass wir einfach zusammenarbeiten mussten. Wenn auch erst mal remote.

Wie lange gab es das Good News Magazin da schon? Und wie klappt die redaktionelle Arbeit remote?

Das Good News Magazin gibt es schon seit 2016. Das ging bei David damit los, dass er auf einer Grillparty war und seinen Kumpels eine positive Geschichte erzählt hat, die so gut ankam, dass er eine Facebook-Gruppe gestartet hat. Mittlerweile haben wir monatlich mehrere Millionen Impressionen, circa 60.000 Seitenaufrufe auf der Webseite und ein fast 50-köpfiges, internationales Team, das ehrenamtlich für uns tätig ist. Das ist ein wirklich großer Haufen. Da ich NGOs auch zum Thema Remote Work beraten habe, haben wir uns im Team schnell digital organisieren können. Die Redaktion leitet Lucia Lehmann, die seit Sommer mit an Board gekommen ist. Neben regelmäßigen Meetings, nutzen wir einen digitalen Redaktionsplan, den wir in Slack integrieren. Wir hoffen, dass wir nach der Pandemie dann ein gemeinsames Office finden. Im Moment sind wir als Gründerteam noch zwischen Köln, Bonn und Berlin aufgeteilt.

Eure Reichweite klingt so gut, dass ich mich frage, wozu ihr das Journalismus Lab eigentlich braucht.

Wir sind jeden Tag beflügelt von den vielen Menschen, die uns folgen und die unsere Kernarbeit wertschätzen. Das Journalismus Lab hilft uns darüber hinaus, aus unserer Comfort-Zone herauszukommen. Durch das Lab haben wir Zugriff auf wahnsinnig viele Erfahrungswerte von Coaches und Mentoren und Mentorinnen, die in der Medienbranche bereits etabliert sind und die uns motivieren, das Genre Good News konsequent neu zu denken. Unser Ziel ist es im positiven Sinne den Mainstream zu erreichen. Wir möchten raus aus der Nische und dass das wahnsinnig schwer ist, wissen alle Menschen im Journalismus. Wir wollen das zum Beruf machen und damit Geld verdienen. Und darum sind wir hier.

Bevor wir gleich auf euer Geschäftsmodell zu sprechen kommen, kannst du zuvor erklären, was Good News eigentlich sind?

Das ist eine gute Frage. Erst mal sind „Good News“ einfach Nachrichten, die inspirieren und Freude bereiten. Damit sind sie ganz klar ein Gegengewicht zum Medien-Mainstream, der zur Zeit aus 80 Prozent Corona-News und dann nochmal 20 Prozent aus irgendwas zwischen Gräueltaten und royalen Skandalen besteht. Es ist tatsächlich sehr schwer, Nachrichten zu finden, die subjektiv erfreulich sind oder die Mut machen. Und das steht in einem krassen Missverhältnis zu dem, wie die Realität eigentlich ist: Jeden Tag erfinden wir als Gesellschaft Dinge, die uns voranbringen, arbeiten an uns selbst und Menschen setzen sich für andere Menschen ein. Das wollen wir als Good News Magazin sichtbar machen.

Und ist das ein bisschen die rosarote Brille, die ihr euch da aufzieht, oder ist das Journalismus?

Wir verstehen uns als Pioniere des positiven Journalismus‘. Dieser Ansatz ist sehr kognitiv, das heißt, über die Information hinaus zielen wir darauf ab, dass unsere Nachrichten Freude bereiten, zum Nachdenken oder Nachahmen anregen und Kraft spenden. Denn News, die nur schlecht sind, machen krank. Es geht also nicht darum, die Welt rosarot zu malen, sondern all den schönen Farben, die in der Welt natürlich vorkommen, eine Leinwand zu geben. Es geht um einen komplementären Kontrast zur Schwarzmalerei der anderen.

Zum Beispiel haben wir gerade einen journalistisch anspruchsvollen Bericht über das Nachfolgelager von Moria gemacht, in dem es um die Situation an den EU-Außengrenzen geht. Das ist erstmal überhaupt nichts Positives. In dem Bericht schauen wir gemeinsam aus den Augen unserer Reporterin nicht nur auf die Gräuel, sondern verstärkt darauf, wie viele Menschen sich für Geflüchtete einsetzen. Wir reden nicht von oben herab, sondern schauen vor Ort hin und reden zum Beispiel mit dem Geflüchteten Ali, der davon berichtet, wie viel Positives er auch erlebt hat und aus dem er Kraft zieht im Leben weiterzukommen.

Woher wisst ihr, dass man mit positivem Journalismus Geld verdienen kann?

Also wir wissen, dass es sehr viele Menschen gibt, die sich danach sehnen. Das merken wir jetzt während der Corona-Pandemie ganz besonders. Viele bedanken sich bei uns und sagen uns, dass sie das einfach gebraucht haben.

Vom Geschäftsmodell her sehen wir das als einen Two-sided Market. Zum Einen haben wir ein B2C-Modell, bei dem wir unseren Leserinnen und Lesern ein Freemium Modell anbieten. Einige Inhalte gibt es gratis, andere sind hinter einer Paywall. Zum Anderen bieten wir Unternehmen unsere Plattform an, um für ihre nachhaltigen, sozialen Produkte zu werben. Das kann ein Banner sein, aber auch Content Marketing bis hin zum Branded Content Channel.

Wie schaut der Markt aus und was machen eure Konkurrenten?

Wir können selbstbewusst sagen, dass wir Good News nach Deutschland gebracht haben. Es gibt einige Akteure, die positiven Journalismus machen. Das beschränkt sich aber meist auf einzelne Formate. Oft gehen die über ihre regionale Brille nicht hinaus oder bringen sehr wenige Beiträge.

Wir sagen ganz klar, dass wir qualitativ hochwertigen Journalismus betreiben, der wirklich gut recherchiert und gemacht ist und der regelmäßig kommt. Für uns ist unsere Reichweite ein Zeichen dafür, dass wir uns bereits an der Spitze von Good News in Deutschland befinden.

Das Gründerteam haben wir ja bereits kennen gelernt. Aber wer steckt hinter dem „großen Haufen“?

Unser Team kommt aus ganz unterschiedlichen Regionen und Ländern der Welt. Kefa Oiro zum Beispiel kommt aus Kenia und er hilft uns, unsere Webseite weiterzuentwickeln. Katja Stelmaszyk ist Web-Designerin und übernimmt das Bug-Fixing. Wir haben dann noch eine Riege an Redakteuren, Designer und Social Media Profis, ohne die der Laden nicht laufen würde. Thomas Hoffmann hilft mir beim Schneiden von Weltaufgang, unserem Good News Podcast. Musik und Jingles dafür haben die extrem talentierte Binta Hübener und Steven Akinwale produziert. Das sind so viele, die kann ich alle gar nicht aufzählen. Aber sie alle sind ein wichtiger Teil unseres Teams. Manche sind regelmäßig dabei, manche nicht so oft. Aber alle helfen, wo sie eben können.

Wie wollt ihr dieses Team mit in den Mainstream nehmen?

Wir haben eine klare Vision. Wir möchten ein guter und fairer Arbeitgeber werden und all diese Leute mit an Bord holen. Unsere Generation, ich sag mal zwischen 18 und 35 Jahren, wir haben einfach keine Lust darauf, irgendeinen Job zu machen, nur weil er gutes Geld abwirft. Viele von uns suchen den Sinn in ihrer Arbeit. Bei uns merken sie, dass wir eine Plattform für bewegende und wichtige Stories sein können. Für Startups, die Plastik aus dem Meer fischen, für Leute, die sich für andere einsetzen. Und das macht Spaß. Denn du weißt, dass du so jemandem Gutem eine Stimme gegeben hast.

Wie sieht euer Plan für die Produktentwicklung aus?

Wir werden da immer professioneller und haben auch einen Meilenstein-Plan. Bei manchen Features schauen wir von Woche zu Woche, andere planen wir langfristig. Solange wir allerdings noch nicht so professionell aufgestellt sind und keine großen Finanzierungsströme hinter uns haben, so lange müssen wir natürlich schauen, wie wir das umsetzen. Da sich außerdem die Anforderungen ständig ändern, denken wir aktuell wieder über einen Relaunch nach. Das ist natürlich viel Arbeit, macht aber auch Spaß.

Zum Abschluss: Was sind aktuell eure größten Herausforderungen?

Ich habe mittlerweile die Erfahrung gemacht, wenn du anfängst ein Unternehmen aufzubauen, dann kann immer alles besser gemacht werden und überall lernt man noch etwas dazu. Für uns ist es aktuell besonders wichtig wie wir unsere Reichweite nutzen können, um noch weitere Leser:innen für unser Abonnement und das Vertrauen von nachhaltigen Unternehmen zu gewinnen, die uns als Plattform nutzen können. Denn Reichweite allein reicht halt nicht.

Und wo seht ihr euch in fünf Jahren?

In fünf Jahren wollen wir das Magazin für positive Nachrichten in Deutschland sein. Wir möchten die Medienlandschaft nachhaltig verändern, und zwar so, dass immer mehr etablierte Medien in Deutschland merken, dass sich positive Nachrichten doch verkaufen. Wirklich große Lust haben wir auch darauf, Good News nicht nur in Deutsch, sondern auch auf Englisch und Spanisch, vielleicht sogar in Kisuaheli anzubieten. Vor allem wollen wir aber immer noch mit genauso viel Feuer und Herzblut bei der Sache sein wie jetzt.

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