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Eine andere Art Lokalradio zu machen – Das streambasierte Radio Stream D als Beispiel

Zu Beginn des Audiocamps hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit spontan weitere Sessions einzubringen. Diese kurzfristige Gestaltungsmöglichkeit nutzte auch Michael Theine vom Radio Stream D. Die Session „Eine andere Art und Weise erfolgreich Lokalradio zu machen – Das streambasierte Radio Stream D als Beispiel“ lebte daher von einem aktiven Gespräch zwischen den Sessionteilnehmenden.

Screnshot Website Stream D
Screnshot Website Stream D

Stream D ist ein Radioprojekt, dass seit drei Jahren den Ansatz verfolgt, dass nicht zwingend eine UKW-Anbindung benötigt wird, sondern auch über Stream und per App erfolgreich Lokalradio produziert werden kann. Das Lokalradio aus Düsseldorf legt einen klaren Fokus auf lokale Themen, um so die Düsseldorfer Subkultur zu unterstützen. Mittlerweile hat das Radioprojekt rund 30 Mitwirkende und ist 24 Stunden am Tag auf Sendung. Darauf sind alle Mitwirkende stolz. Die Hörerinnen- und Hörerzahlen für das Angebot sind seit Start weitergewachsen: Der Sender ist durchschnittlich im dreistelligen Bereich und manche Sendungen erreichen Nutzerinnen- und Nutzerzahlen, die im vierstelligen Bereich liegen.

Lokalradio auch ohne UKW-Frequenz

Das Besondere ist, dass das Radio auf Stream- und App-Anbindung setzt. Eine UKW-Frequenz besitzen sie bisher nicht. Michael Theine vertritt die These, dass in spätestens fünf Jahren der Punkt gekommen sei, dass UKW und DAB+ nicht mehr an erster Stelle stehen werden. Daher war die Ausgangsmotivation der Gründerinnen und Gründer: „Wir machen es anders.“ So ist aus dem eigentlichen provokativ gemeinten Spruch Realität geworden. Anders als klassische Radios gibt es beim Radio D verschiedene musikalische Spaten, die sich an den Wochentagen orientieren: montags werden Schlager gespielt, freitags ist Punkabend. Dieses Format kommt bei den Hörerinnen und Hörern sehr gut an.

Gleichzeitig sagt Michael Theine: „Du kannst so ein Projekt nicht mit einem klassischen Radiosender vergleichen“. Diese Aussage bezieht sich nicht nur auf das musikalische Programm, sondern auch auf technische Unterschiede zwischen klassischem UKW-Radio und Stream-Radio, wie auch auf journalistische und inhaltliche Aspekte. Mit nur wenigen professionellen Journalistinnen und Journalisten im Verein können keine komplexen Sachverhalte abgedeckt werden, sodass Stream D einige Themen nicht aufarbeitet und sich bewusst als Lifestyle-Radio beschreibt. Wie entsteht also das Programm? Es gibt einen Chefredakteur, der in den Redaktionssitzungen als Moderator fungiert. Gemeinsam schauen die Beteiligten, welche freien Slots es im Programm gibt und welche Themen von Mitwirkenden vorgeschlagen wurden. Dann stimmt die Redaktion darüber ab, ob das präsentierte Thema mit in das Programm aufgenommen wird.

Geschäftsmodell nach Anschubfinanzierung

Die Idee hinter dem Projekt klingt entschlossen und mutig zugleich. Denn wie lässt sich so ein Projekt überhaupt realisieren – vor allem auch finanziell? Michael Thiele macht deutlich, dass man vor allem viel Zeit und Motivation brauche. Und das nicht nur als Einzelperson, sondern alle Mitwirkenden müssten dabei an einem Strang ziehen. Wenn man streamen will, braucht man einen gewissen zeitlichen Vorlauf, denn um überall verfügbar zu sein braucht man etwa ein Jahr. Auch die Finanzierung sollte für die erste Zeit gesichert sein: Kosten für monatliche technische Services und Dienste, einmalige Studiokosten und schließlich die Bezahlung der Autorinnen und Autoren summieren sich zu einer stolzen Summe, sodass mindestens für zwei Jahre eine Anschubfinanzierung gesichert sein sollte. Stream D strebt an, dass Ende 2022 bzw. Anfang 2023, auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein angemessenes Gehalt erhalten – zurzeit lebt das Projekt noch von der ehrenamtlichen Tatkräftigkeit aller Mitwirkenden.

Michael Theine zog aktuell eine positive Bilanz: Das streambasierte Radio entwickelt sich sehr gut, auch der Smart Speaker Alexa und die eigene App konnten in letzter Zeit als beliebte Ausspielwege bei den Hörerinnen und Hörern verzeichnet werden und die Investition für den weiteren Ausbau wurde zugesichert. Ihr Ansatz, dass die Übergänge zwischen Radio, Podcast, Stream und anderen Formaten fließend sind, und alles Audio ist, entspricht der Zukunft. Davon ist Michael Theine überzeugt.

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