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Tema – junger Journalismus für Europa

Wie steht es um das europäische Projekt? Die vier Studentinnen Pamina, Viola, Thekla und Carlotta fühlten sich hilflos, als die Grenzen während der Corona-Pandemie geschlossen wurden. Darum starteten sie Tema, ein europäisches Magazin für den Wandel. Mit wissenschaftlich-philosophischen Texten und viel Kunst schreiben sie für ein junges Europa. Und das kommt an. So sehr, dass sie daraus jetzt ein Unternehmen machen. Carlotta Terhorst stellt das Team und die aktuellen Herausforderungen vor.

Hallo Carlotta, wer bist du und was ist Tema?

Hi, ich bin Carlotta und komme aus der Nähe von Köln. Ich habe in den Niederlanden Kunst- und Kulturwissenschaften und in Portugal Internationale Beziehungen studiert und im Moment lebe ich in Lissabon. Ich interessiere mich für den gesellschaftlichen Wandel und lese sehr, sehr gerne Magazine. Meine Eltern sind beide Journalist:innen, ich habe also schon von Kindesbeinen an eine Verbindung in dieses Berufsfeld. Anfangs war ich sehr an Modejournalismus interessiert, mit 16 Jahren habe ich ein Praktikum bei Condé Nast gemacht. Durch mein Studium in Maastricht hat sich mein Fokus dann zu eher gesellschaftlichen Themen hin verschoben.

Mit dem Online-Magazin Tema wollen wir Denkanstöße geben, wie man die Gesellschaft auch anders denken kann. Das machen wir nicht nur durch unsere wissenschaftlich-philosophischen Texte, sondern auch durch Kunst. Damit wenden wir uns an eine junge und europäische Community, in Englisch und in einer weiteren Sprache, abhängig von der Sprache der Autor:in.

Wie kam es dazu, dass ihr Tema gestartet habt?

Die Idee zu Tema kam uns im ersten Pandemie-Sommer. Viola und ich haben zusammen in den Niederlanden studiert und die Pandemie hat uns gezeigt, wie viele sozialen Probleme und Ungerechtigkeiten es noch immer in unserer Gesellschaft gibt. Etwa der Tod von George Floyd und die nachfolgenden Debatte um Rassismus haben uns wachgerüttelt: Es gibt auch in anderen Ländern als den USA Polizeigewalt, auch in den Niederlanden, auch in Frankreich. Wir haben angefangen, unsere eigenen privilegierten Positionen zu reflektieren und dies auch gesamtgesellschaftlich zu tun: Die Corona-Politik vieler Länder hat manche Menschen aufgrund sozialer Unterschiede gerade zu Beginn der Pandemie extrem eingeschränkt. Dazu wurden die Grenzen geschlossen und aus unserer Wahrnehmung heraus hatte Europa sich gar nicht mehr als Einheit gesehen. Wir haben uns irgendwie ein bisschen hilflos gefühlt und aus dieser Hilflosigkeit kam dann der Antrieb ein journalistisches Projekt für Diskussion und Wandel zu schaffen. Dass es ein Magazin werden wird, war von Anfang an klar. Viola und ich hatten bereits in einem Studierendenmagazin in Maastricht zusammengearbeitet. Das war im Juli 2020.

Wie habt ihr das Projekt dann konkret umgesetzt?

Viola und ich sind Freund:innen aus dem Bachelorstudium. Redaktionell miteinander gearbeitet hatten wir durch das Studierendenmagazin bereits. Nachdem klar war, dass wir ein Projekt machen wollten, haben wir uns mit Thekla zusammengetan. Sie hat Industriedesign studiert, macht die Bildredaktion und kümmert sich um unser visuelles Design. Sie hat unser Logo designt und den Kunst-Aspekt bei Tema nochmal deutlich verstärkt. Wir haben Leute gesucht, die einfach Lust auf das Projekt hatten. So kam auch Pamina dazu. Sie hat Medienwissenschaften an der Uni Köln studiert, arbeitet freiberuflich für den WDR und hat, genau wie wir alle anderen auch, richtig viel Spaß an Magazinen. Pamina steckt hinter unserem tollen Instagram Account, und damit haben wir so viel Tolles erreicht seitdem sie dabei ist.
Wir waren also alle Bekannte, die Stück für Stück über das Projekt zusammengekommen sind. Ich bin mehr oder weniger das Zentrum, durch das sich alle kennengelernt haben. Wir sind als Team mittlerweile richtig zusammengewachsen. Als wir mit dem Magazin gestartet sind, kannten wir uns ja untereinander noch nicht alle wirklich gut; wir haben uns vor einem dreiviertel Jahr das erste Mal in Präsenz gesehen.

Wer spielt welche Rolle bei euch im Team?

Grundsätzlich schreiben wir alle, und gemeinsam machen wir die Redaktionsplanung. Ich kümmere mich um die Finanzen, Viola macht Media Management und koordiniert zum Beispiel den Open Call, den wir neulich an die Unis rausgeschickt haben. Thekla ist Art Direktorin, kümmert sich um die Webseite, Logo und Design und Pamina macht Social Media. Thekla und Pamina sind unsere Ästhetinnen, würde ich mal sagen. Sie entscheiden zum Beispiel, welche Bilder veröffentlicht werden. Viola und ich sind eher für das Organisatorische verantwortlich.

Und dann sind da noch Justin, der als englischer Muttersprachler alle unsere Texte korrekturliest und die vielen Autorinnen und Autoren sowie Künstlerinnen und Künstler, die ehrenamtlich für uns tätig sind.

Wie kam es dazu, dass ihr aus dem Projekt ein Unternehmen machen wolltet?

Wir haben Tema eigentlich nur aus idealistischen Gründen gestartet, weil wir eine Plattform kreieren wollten, auf der wir den progressiven und guten Ideen der Zukunft aus ganz Europa einen Raum geben wollten. Ein Platz, um die Fragen unserer Zeit zu diskutieren.

Irgendwann haben wir immer mehr von Menschen in unserem Umfeld gehört, dass sie gerne unsere Artikel lesen und wir dafür doch Geld nehmen sollten. Wir haben relativ viel Zuspruch bekommen, auf Instagram haben wir mittlerweile über 5.000 Follower. Dann haben wir montags ein Meeting eingeführt, um uns mehr Struktur zu geben und haben uns dann gefragt, ob das nicht klappen könnte. Wir sind alle so idealistisch, dass wir gerne auch mit etwas Geld verdienen wollen, woran wir glauben. Und damit haben wir einfach die Chance gesehen, dass wir unseren Idealismus mit unserem Beruf verbinden können.

Was hat sich nach eurem Beschluss Tema, zu einem Unternehmen zu machen, verändert?

Unser Montags-Meeting uferte gerne immer wieder aus, weil wir da über alles geredet haben. Mittlerweile haben wir zwei Mal in der Woche Meetings. Das Montags-Meeting ist so ein bisschen für alles Kreative. Der Freitag fürs Organisatorische, wie zum Beispiel unsere aktuellen Meilensteine, das Fellowship oder wie wir ein Geschäftsmodell entwickeln wollen. In der Woche arbeiten wir dann mittlerweile über Trello, Slack, Google Drive und unser Miro-Board.
Und wir haben noch eine schöne Neuigkeit: Wir werden jetzt alle nach Köln ziehen, um gemeinsam an Tema zusammen zu arbeiten. Gerade stellen wir ein Netzwerk an freien Autor:innen zusammen. Wir wollen als Kernteam eine Art Zentrale haben, eine Anlaufstelle, von der aus wir eine gemeinsame Struktur aufbauen können. Dafür suchen wir auch noch ein kleines Tema-Büro.

Wie sieht es denn mit dem Geschäftsmodell aus?

Wir haben schon wirklich viel über das Thema diskutiert. Ich zu Beispiel bin sehr dagegen Werbung auf der Seite zu haben. Aktuell gehen wir in die Richtung, dass wir weniger die traditionellen Wege gehen wollen, die man so kennt. Sondern wir wollen etwas Innovatives aufbauen. Unsere ersten Idee, das kann ich ja schon mal verraten, wird noch mehr in Richtung Kunst gehen. Wir denken darüber nach Prints von Fotografien oder Illustrationen als Postkarten und Poster über einen Online-Shop auf unserer Seite zu verkaufen. Vielleicht in Kombination mit Text, da sind wir uns noch nicht ganz schlüssig.

Klassische Abomodelle haben wir auch schon besprochen, aber tendieren eher dazu unseren Lesern die Möglichkeit zu geben, uns als Mitglieder einer TEMA Community mit einem monatlichen Beitrag zu unterstützen.

Thema Produktentwicklung: Wie ist da der aktuelle Stand und was plant ihr in Zukunft?

Aktuell läuft Tema über Squarespace. Aber in Zukunft wollen wir noch Programmierer:innen mit ins Boot holen oder jemanden damit beauftragen. Thekla kann den Prototypen designen und sagen, wie etwas aussehen soll. Allerdings werden wir das erst mittelfristig angehen, da wir uns erst einmal darauf fokussieren wollen, besser zu verstehen, wie wir ein Geschäftsmodell aufbauen können.

Ihr macht das nun seit fast einem halben Jahr mit dem Ziel ein profitables Unternehmen aufzubauen. Was sind wichtige Learnings aus der Zeit?

Man kann alles lernen! Allein in den letzten drei Wochen des Fellowships haben wir so viel gelernt! Wie setzt man Analytics mit Matomo richtig auf und wertet das aus? Ich habe gelernt, wie man eine gute Buchführung macht. Wir haben unser Team besser strukturiert. Und das ist alles kein Hexenwerk, wenn man sich dahinter klemmt. Aktuell müssen wir herausfinden, wie man mit einem redaktionellen Produkt Geld macht. Aber ich glaube an unser Team und das wir das gemeinsam schaffen. Denn wie gesagt, Business ist kein Hexenwerk und man kann alles lernen.

Wenn du einen Wunsch an die Leser dieses Interviews frei hättest, welcher wäre das?

Ich würde mich total über eine Spende über Patreon freuen. Das wäre natürlich toll, denn das würde unsere Arbeit total erleichtern.

Wieviel nehmt ihr aktuell schon über Patreon ein?

So ungefähr 50 Euro monatlich. Ich habe vor kurzem einen Podcast mit dem Gründer vom Katapult Magazin gehört. Und dort hat er erzählt, dass sie mit 48 Euro angefangen haben. Vielleicht klappt es ja bei uns auch.

Liebe Carlotta, viel Erfolg für Tema und Dankeschön für das Interview!

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