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Von Online first zu Mobile only: Onlinestrategien im Lokalen

Ob regionales News-Portal oder lokales Städteportal: immer mehr Medien werden vor allem auf mobilen Geräten konsumiert. Eine Umstellung, die sich auch auf die redaktionelle Arbeit auswirkt.

Mobile Reporting
Nachrichten werden immer häufiger auf Smartphones und Tablets konsumiert.

Der Westen wurde bei der Neupositionierung vor eineinhalb Jahren vorrangig auf mobile Geräte ausgerichtet“, sagt Marie Todeskino, Chefredakteurin. „Desktop-Computer spielen nur noch eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sind Smartphones. Mit unserer mobilen Seite richten wir uns an Nutzer, die in der Regel jünger als 40 Jahre alt sind.“ Die Statistik bestätigt der Redaktion, dass die Umstellung auf ein Mobilportal der richtige Weg war: „Unter der Woche haben wir 70 Prozent aller Besuche von mobilen Geräten“, sagt Marie Todeskino. „Am Wochenende sind es sogar meist 80 Prozent“.

„Mobile only“ verändert die Arbeit der Redaktion

Auch für die Redaktion von meinesuedstadt.de in Köln ist die mobile Nutzung durch die Zielgruppe ein wichtiges Thema: „Zum Jahreswechsel 2017/2018 haben wir eine komplett neue Internetseite gebaut, die für Smartphone und Tablet optimiert ist“, sagt Marc Loecke, Geschäftsführer. „Der Umbau war dringend nötig, da 2017 schon 38 Prozent der Besucher über mobile Geräte auf unsere Seite kamen. Allerdings war die Absprungrate erschreckend hoch, eben weil die Seite lediglich für Desktop-Rechner optimiert war.“ Nach dem Relaunch sei die Zahl der mobilen Besucher auf über 50 Prozent gestiegen und die Absprungrate habe sich deutlich verringert. „Gleichzeitig ist die Verweildauer deutlich höher als früher“, so Loecke.

Die mobile Nutzung hat auch Auswirkungen auf die Arbeit: „Früher gab es täglich vorhersehbare Traffic-Peaks, etwa um 9 Uhr und um 12 Uhr. Heutzutage hingegen begrüßen wir immer häufiger in frühen Morgen- und späten Abendstunden die meisten Leser. Diese Entwicklung lässt nur den Schluss zu, dass die Redaktion von Der Westen jetzt von 6 Uhr bis 23 Uhr besetzt sein muss“, sagt Onlinerin Todeskino. Bereits um 7 Uhr kommt ein zweiter Kollege, und erst nach 21 Uhr ist wieder ein Journalist alleine in der Redaktion. Die Kunst liegt darin, früh am Morgen mit einem komplett aktuellen Themenangebot in den Tag zu starten. „Dazu muss die Spätschicht oft vorarbeiten“, sagt Marie Todeskino.

Der Onlinejournalismus im steten Wandel

Auch die Inhalte auf Der Westen sind an die mobile Nutzung angepasst: „Wir arbeiten mit schmalen Teasern, um den Nutzern möglichst viele Inhalte auf der mobilen Seite anbieten zu können“, sagt Chefredakteurin Todeskino. Außerdem seien die Überschriften ans mobile Lesen angepasst: „Wir versuchen, Interesse zu wecken, indem wir ein bisschen vom Inhalt verraten, aber eben nicht alles. Und wir wollen natürlich neugierig machen“. Texte sind außerdem kürzer als früher, klar geschrieben, kommen schnell auf den Punkt und sind übersichtlich. „Wir strukturieren sie mit Umfragen, Posts aus den sozialen Netzwerken, Zusammenfassungen und Videos“, erklärt Marie Todeskino. Und natürlich versucht man, die Ladezeiten der Inhalte so kurz wie möglich zu halten.

Bei meinesuedstadt.de ist es ähnlich: „Wir haben uns 2018 dazu entschlossen die Artikellänge etwas zu kürzen. Längere Beiträge teilen wir in mehrere Module auf. Das scheint bei unseren Lesern besser anzukommen“, sagt Marc Loecke. Bilder und Multimedia spielen bei meinesuedstadt.de nicht so eine große Rolle wie bei Der Westen: „Fotos sollen zur Textlänge im Verhältnis stehen. Unnötige Bilddokumentationen vermeiden wir. Und wir achten selbstverständlich sehr penibel auf die Datengröße und eine vernünftige Komprimierung“, so auch Loecke.

Accelerated Mobile Pages, Instant Articles und Suggestions  

Die Entwicklungen im Journalismus im Internet gehen weiter. Doch was genau passieren wird, lässt sich nur schwer erahnen: „Wir stellen fest, dass im Onlinejournalismus derzeit die Suchmaschine oft eher bedient wird, als der Leser. Das soll bei uns anders sein“, sagt Marc Loecke. „Bei uns steht der Leser heute und künftig an erster Stelle. Darum wollen wir den Text beispielsweise nicht künstlich strecken und die wichtigsten Informationen nicht bis zum letzten Absatz zurückhalten, um die Verweildauer zu erhöhen. Trotzdem wollen wir die Technik weiter optimieren: Facebook Instant Articles und Googles AMP-Format spielen im Hinblick auf mobile Nutzung und schnelle Ladezeit eine zunehmend wichtige Rolle.“

Marie Todeskino denkt weiter: „In jedem Fall wird die Distribution von regionalen Nachrichten über Empfehlungen, sei es über Chrome Suggestions, Upday, Xing oder Facebook-Communities in nächster Zeit noch wichtiger“, sagt sie. „Aber vielleicht spielen Portale im klassischen Sinne in fünf Jahren keine große Rolle mehr“, sagt sie. „Möglicherweise lassen sich in einer komplett vernetzten Welt Nutzer die News morgens von der elektrischen Zahnbürste vorlesen“ – eine Idee, die heute noch schmunzeln lässt. Doch hätte man im Jahr 2000 vorhergesagt, dass künftig Telefongeräte als Fotoapparate eingesetzt werden, wäre es nicht anders gewesen.

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