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Journalismus auf YouTube: Reichweitenaufbau und Monetarisierung

Es ist der Traum zahlloser Video-Producer: Mit einem eigenen Online-Kanal den Lebensunterhalt sichern (oder sogar reich werden). Prominente YouTuber zeigen zwar, dass dieser Traum wahr werden kann, aber wer heute ein „Youtube-Geschäft“ aufbauen möchte, muss erst einmal Reichweite aufbauen, bevor diese in Geld verwandelt werden kann. Die Grundlagen dafür beschrieb Michaela Engelshowe, Gründerin der Netz-WG und YouTuberin der ersten Stunde, in ihrem Vortrag beim Cashcamp.

YouTube
Ein Account ist auf Plattformen wie YouTube schnell eingerichtet. Aber wie verdient man als Profi damit dauerhaft Geld? (Foto: cardmapr / unsplash.com)

Für Videoschaffende mit professionellem Ansatz war Michaelas Vortrag einerseits eine Desillusionierung, zugleich aber eine positive Verstärkung strukturiert und systematisch arbeitender Kanalarbeiter: Mit einem eigenen journalistisch ausgerichteten Kanal Hunderttausende oder gar Millionen Abonnenten zu gewinnen wie beispielsweise Tilo Jung oder LeFloid werde wohl den wenigsten gelingen. Aber es sei durchaus möglich, schnell gute Reichweiten zu erzielen, um dann rund um den Youtube-Kanal ein weiter reichendes Geschäftsmodell aufzubauen.

Michaela Engelshowe ist seit 2008 Youtuberin. Gestartet ist sie mit einem Kanal für Schminktipps, später hat sie die Netz WG GmbH & Co. KG gegründet, die für essence, Thermomix oder Vodafone Youtube-Markenkanäle betreibt/berät/entwickelt. Daneben ist ihre Seite michaelaengelshowe.de viel gesuchte Anlaufstelle für alle Fragen rund ums Arbeiten mit Youtube.

Strategien für eigene Kanäle auf großen Videoplattformen

„Reichweite lohnt sich“ lautete ihre erste Botschaft auf der virtuellen Tagung. Videoproduzenten, die Youtube zum Hosting nutzen, hosten können mit vergleichsweise wenig Aufwand und können im Youtube-System besser rauskommen. Reichweiten, so Michaela Engelshowe, werden nach dem 25/75 Prinzip erreicht: 25 % der Views einer Seite kommen über Suchmaschinen auf die Seite, 75 Prozent auf anderen Wegen, vor allem durch Youtube selbst, dass das gesamte Angebot mit speziellen Algorithmen durchforstet, um den Besuchern der Seite interessenbezogene Empfehlungen zu geben.

Den Traffic durch die Suche sollten Kanalanbieter durchaus mitnehmen. Denn der Schlüssel zum Erfolg ist die richtige Wahl von Keywords. Laut Michaela lassen bis zu 50 Prozent aller Youtuber diese Chance ungenutzt, 20 bis 40 Prozent versuchen es immerhin, so Besucher zu gewinnen. Allerdings stehen die nahe liegenden und einfachen themenbezogenen Keywords im Wettbewerb mit zahllosen Kanälen zum gleichen Thema und den gleichen Keywords.

Bessere Rankings versprechen einerseits lange Keywords, andererseits die Formulierungen, die berücksichtigen, nach welchen Begriffen, Angebote oder Lösungen die potenziellen Zuschauer suchen.

„Kuchen backen“ bieten viele, bei „Kuchen für Kindergeburtstag backen“ wird der Wettbewerb schon geringer, mit „kinderleicht einen bunten Kuchen für den Kindergeburtstag backen“ ist man womöglich nahe an einem Alleinstellungsmerkmal. Ein wichtiges Hilfsmittel sind dabei Keyword-Tools, die sagen, nach welchen Keywords wie oft gesucht wird.


Überblick: Was funktioniert gut bei YouTube und worauf ist zu achten?

Den meisten Traffic, also die 75 Prozent aller Zugriffe, erreicht man, weil Youtube das Video empfiehlt oder besonders präsentiert. Allein, wenn auf dem Kanal schon ein erfolgreiches „Hero-Video“ gelaufen ist, zieht Youtube den ganz den Kanal hoch. Michaela Engelshowe nannte verschiedener Videokategorien, in denen Hero Videos wachsen können:

  • Filme zum Tagesgeschehen, also Ereignisse, die der youtuber gesehen und gefilmt hat
  • Exklusives Material, einzigartige Angebote, die nirgends anders zu finden sind
  • Kommentierung von laufenden Trends, die intensiv diskutiert werden
  • Event Berichterstattung – also Filme über Veranstaltungen aller Art; hier solle man z. B. „tentpoling“ nutzen, also das Video zur Premiere eines Spielfilms zwei Wochen vor der Erstaufführung einstellen. Damit erwirbt man einen Vorsprung, der sich in den Quoten niederschlagen können

Erfolgsrelevant sei natürlich auch die technische und dramaturgische Qualität von Videos. Michaela nannte einige Stichworte, die man beim Bau der Filme im Hinterkopf haben sollte:

Abschaltmomente eliminieren: Was hält die Zuschauer im Film, wann springen sie ab? Michaela berichtete von einem Rezeptvideo, in dem früh die Zutaten aufgezählt wurden – woraufhin viele Zuschauer ausstiegen. Deutlich besser lief es mit einem Soundeffekt als Intro, der direkt ins eigentliche Rezept führte

Wirkung von Thumbnails beachten: Statt einem einfachen Screenshot sollte man als Vorschaubilder wirklich gute, bunte Fotos aussuchen und sie ggf. durch Ausschnitte noch interessanter machen.

Durch den Titel packen: Man muss einen Titel finden, der in prägnanten Worten auf den Inhalt verweist und möglichst positive Assoziationen auslöst – exemplarisch nannte Michaela die Schlagzeile „Wir sind Papst“.

Den Kanal aktiv und kontinuierlich betreiben: Man sollte seinen Kanal mindestens einmal die Woche bespielen. Extratipp: Die Videos parallel über andere Channels vertreiben und dafür längere Stücke splitten, um die Klicksumme zu erhöhen. Die Referentin nannte als Beispiel 4 „Beautyfrauen“, die ein Video über verschiedene Kanäle und in Sequenzen zersplittert insgesamt 30mal gepostet haben – und dadurch 1 Million Zugriffe erreichten.


Videoplattformen erfordern Alleskönner – oder gute Teamarbeit 

Doch selbst wenn man so gute Reichweite erzielt, bedeutet das nicht, dass damit auch der Rubel richtig rollt, wie die Referentin am Ende ihres Vortrags erklärte. Einnahmen durch adsense, also über von youtube eingespielte Werbung, gebe es beispielsweise erst, wenn der Kanal die Kriterien „mindestens 1000 Abos plus 4000 Stunden Watchtime erreicht hat. Doch selbst dann werden bei 1 bis 2 Euro pro 1000 Zuschauer oft nicht einmal die Produktionskosten erwirtschaftet. Um von adsense leben zu können, so die Youtuberin, brauche man mindestens 5 Millionen Visits – jeden Monat!

Natürlich kann man auch Spenden sammeln oder kostenpflichtige Abos anbieten, allerdings sind Newcomer dabei meist auf Freunde und Familie angewiesen. Das gilt auch für einen weiteren Tipp, nämlich ins Merchandising einzusteigen. Wenn man sich eine treue Anhängerschaft erarbeitet hat, kann man durch den Verlauf von Blöcken, Stiften, Autoaufklebern oder Regenschirmen zusätzliche Einnahmen generieren.

Das zeigt, wie auch die abschließende Diskussion: Über Youtube-Visits allein ist es schwer, genug Geld zu verdienen, aber Youtube-Reichweite ist ein guter Ausgangspunkt, um den Erfolg auf anderen Wegen zu monetarisieren.

Damit wird die Plattform zu einer Vermarktungshilfe, zu einer Art dynamischer Visitenkarte, über die man Kunden für andere Produkte und Dienstleistungen gewinnt. Michaela Engelshowe verkauft Coaching Leistungen, und Christian Hasselbring verwies auf Fachpublisher, die über Youtube Teaser Kunden zu kostenpflichtigen Tutorials leiten. Das funktioniere, denn, es lohne sich für Unternehmen durchaus, ein paar Euro in ein gut strukturiertes Video zu investieren, statt selbst x Stunden im Netz nach einem passenden und hilfreichen Angebot zu suchen.

Am Ende stand die Erkenntnis, dass aktive, einfallsreiche, geduldige und vielseitige Youtuber mithilfe der Plattform sehr wohl ein Geschäft aufbauen können. Für Kreative oder Journalisten ist das allerdings keine gute Nachricht.

Denn wie die Aufzählung zeigt, sollte man eine eierlegende Wollmilchsau sein: Es genügt in der Regel nicht, eine gute Geschichte oder einen tollen Film einzustellen. Mann muss vielmehr alle Register ziehen und sich intensiv mit Technik und Marketing beschäftigen. Eine Plattform wie Youtube kann helfen, Menschen zu einer Marke werden zu lassen – und gute Marken haben Erfolg.

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