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Prompt Book: Werkzeugkasten für einen konstruktiven Umgang mit KI

Kann künstliche Intelligenz ein Hilfsmittel für mehr Lösungsorientierung, Perspektivenvielfalt und konstruktiven Dialog im Journalismus darstellen? Ja, wenn Journalistinnen und Journalisten konkrete Handreichungen, Recherchetipps und Werkzeuge geboten werden.
Mit ihrem Projekt „Prompt Book“ versucht das Bonn Institut genau an dieser Stelle anzusetzen. Gemeinsam mit einer Gruppe von Studierenden der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW), der Deutschen Welle, RTL und dem Constructive Institute aus Dänemark trägt das Team ihr gebündeltes Wissen im „Prompt Book“ zusammen und entwickelt konstruktive Werkzeuge im Umgang mit KI für Medienschaffende. Als teilnehmendes Projekt des Media Innovation Förderprogramms haben wir nachgehakt bei Claudia Rittel, Projektkoordinatorin, wie das Projekt und die Zusammenarbeit verläuft.

Bonn Institut

Welches Ziel habt ihr mit der Umsetzung eures Projekts verfolgt?

Claudia Rittel: Mit dem Projekt „Prompt Book“ wollen wir Medienschaffende dabei unterstützen, Künstliche Intelligenz im Journalismus verantwortungsvoll und konstruktiv zu nutzen. Denn KI ist gekommen, um zu bleiben. Das heißt, dass sich alle Medienschaffenden damit auseinandersetzen müssen. Doch im eng getakteten Arbeitsalltag fehlt oft die Zeit, sich mit den Hintergründen zu beschäftigen.

Ein Ziel bei dem Projekt „Prompt Book“ war es deshalb, essentielles KI-Wissen zu recherchieren, verständlich aufzubereiten und Journalistinnen und Journalisten zur Verfügung zu stellen. Zudem haben wir konkretes konstruktives Handwerkszeug für die redaktionelle Praxis entwickelt. So haben wir beispielsweise gemeinsam mit unseren Partnern Prompts erarbeitet, die generative KI wie etwa ChatGPT nutzen, um die Berichterstattung konstruktiver zu machen – wie bei der Generierung konkreter Themenideen oder dem Ausformulieren von konstruktiven Interviewfragen.

Wie wollt ihr dieses Wissen vermitteln?

Claudia Rittel: Wir sind gerade dabei, die zentralen Ergebnisse des Projekts zu bündeln und aufzubereiten. So wird es zum einen ein entsprechendes Informationsangebot auf unserer Webseite geben. Zum anderen wird ein „Prompt Book“ als kompakte gedruckte Publikation erscheinen – konstruktives KI-Wissen für die Hosentasche sozusagen. Um einen nachhaltigen Wissenstransfer zu ermöglichen, bieten wir demnächst auch Workshops für Medienschaffende rund um die konstruktive Nutzung von KI im journalistischen Kontext an. Der Schwerpunkt liegt auch hier auf alltagsrelevantem Handwerkszeug.

Wie habt ihr euch der Forschungsfrage angenähert?

Claudia Rittel: Das Projekt war von vorneherein sehr praxisnah angelegt. Die Bedürfnisse der Branche und die Frage, was im Alltag wirklich weiterhilft, waren uns deshalb wichtig. Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass sich unsere Kooperationspartner aus Wissenschaft und Praxis – die Deutsche Welle, RTL, die Hochschule für Medien Kommunikation und Wirtschaft in Köln (HMKW) und das Constructive Institute in Dänemark – von Beginn an auf unterschiedliche Weise beteiligt und ihr Wissen geteilt haben. Im Rahmen der Kooperation mit der HMKW haben auch einige Studierende intensiv an Tests mitgearbeitet, die für die Entwicklung der Handreichungen und Prompts wichtig waren.

Wie verlief die Zusammenarbeit mit euren Kooperationspartnern?

Claudia Rittel: Es war äußerst wertvoll, dass alle Partner ihre eigenen Perspektiven und spezifischen Kenntnisse eingebracht haben. Bereichernd waren auch die Momente der Vernetzung. Uns war es ein Anliegen, auch unter den Projektpartnern einen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen und Menschen zusammenzubringen, zum Beispiel bei unserem Workshop Anfang des Jahres am Bonn Institute. Außerdem sind durch das Projekt beispielsweise auch Besuche von Studierenden bei RTL in Köln und Berlin entstanden, bei denen sie Einblicke in die redaktionelle Arbeit erhalten haben. Auch das hat uns gefreut.

Wie verlief der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis?

Claudia Rittel: Professor Ranty Islam von der HMKW war gemeinsam mit Peter Lindner und mir Teil des Kernteams im Projekt. Dadurch, dass wir uns wöchentlich digital getroffen haben, konnten wir uns zu allen anstehenden Fragen in der Regel zeitnah und intensiv austauschen. Auch mit den Kolleginnen und Kollegen von RTL, der Deutschen Welle und dem Constructive Institute haben wir uns regelmäßig zusammengeschaltet, um inhaltliche Fragen oder next steps zu klären.

Gab es überraschende neue Einsichten aus der Praxis? Beispielsweise bei RTL?

Claudia Rittel: Das Themenfeld KI ist so umfangreich und dynamisch, dass es regelmäßig Überraschendes gibt. Wir haben uns sehr gefreut, dass RTL nicht nur die Studierenden zu sich eingeladen hat, sondern dass zu dem Vor-Ort-Termin auch viele Kolleginnen und Kollegen aus ganz unterschiedlichen Abteilungen gekommen sind – von Wirtschaftsredaktion über Datenjournalismus und Technologie bis zum Content Management. Auch die Chefredaktion hat sich Zeit genommen. Es war sehr spannend und hilfreich für das Projekt, detaillierte Einblicke in den Umgang von RTL mit dem Thema KI zu erhalten.

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