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Die 10 wichtigsten Fragen für Deine Reise als Gründerin oder Gründer

Ein Startup zu gründen, ist das letzte legale Abenteuer unserer Zeit. Diesen Satz hört man oft auf Gründer-Coachings. Ich möchte das Unternehmersein jetzt nicht romantisieren, aber es ist richtig, dass die Blutgefäße eines Entrepreneurs ähnlich gut mit Adrenalin versorgt sind, wie einst die Hauptschlagader eines Expeditionsleiters, der aufbricht, einen unerforschten Kontinent zu vermessen.

Marco Eisenack
Marco Eisenack (Foto: privat)

Wer heute im Seminar sitzt, um sich die Skills für eine Unternehmensgründung anzueignen hätte vor 300 Jahren vermutlich seine Zeit damit zugebracht, Geld bei Fürsten zu sammeln, um mit einer Fregatte auf der Suche nach Handelsrouten und exotischen Gütern in die neue Welt segeln zu können.

Ich selbst habe mich vor gut zehn Jahren auf die Reise gemacht. Das Schiff hatte abgelegt, ohne dass ich es so richtig gemerkt habe. Christoph Columbus roch die Gischt und sah die Küste Spaniens am Horizont verschwinden. Die Abenteurer von heute rudern los, ohne zu merken, dass sie schon mitten im unbekannten Gewässer schippern. Bevor du auf die Reise gehst, solltest du dir aber einige Fragen beantworten, um zu verhindern, dass du dich plötzlich an einem Ort wiederfindest, an dem du niemals ankommen wolltest.

1. Frage: Warum will ich aufbrechen?

Schon bei den großen Entdeckern war die Verheißung des Unbekannten und die Unzufriedenheit mit dem Status Quo die Antriebsfeder für den Aufbruch. Wer die Ungewissheiten einer Entdeckungsreise aushalten will, muss überzeugt sein, dass die Alternative des Verharrens keine gute Wahl ist. Journalisten spielen beide Argumente in die Karten: Zum einen ist der bisherige Job in den ausgedünnten Redaktionen oft so unerträglich oder perspektivlos, dass die Reise alternativlos erscheint. Zum anderen schillern die Verheißungen in der Digitalisierung bei ein bisschen Kreativität und Unternehmersinn so deutlich vor den Augen, dass das Dableiben keine Lösung ist.

2. Frage: Wohin will ich reisen?

Die großen Entdecker hatten genau vor Augen, wo sie ankommen wollen. Heute nennt man das Visualisieren. Das bedeutet, du brauchst ein klares Bild vor deinen Augen. Auch, damit du die Entbehrungen der Reise auf dich nimmst. Einfach drauflos führt bei einer Expedition selten zum besten Ergebnis – eher zur Meuterei. Genauso wenig reicht ein ungefähre Vorstellung, um ein Medien-Startup zu gründen.

3. Frage: Was suche ich wirklich?

Wer ein Unternehmen gründen will, kommt meist auf diese Idee, weil er in einer Sache besonders gut ist. So hat er oft auch gleich Kunden, die ihm aus seiner bisherigen Firma in sein eigenes Unternehmen folgen. Aber Achtung, hier droht Ungemach: Wenn du deine eigene Firma gründest, solltest du keine Zeit mehr haben, Reportagen zu schreiben, Interviews zu führen, Filme zu schneiden oder Social-Media-Kanäle zu betreuen. Das sind Aufgaben von Fachkräften – nicht von Unternehmern. Das wäre ja sonst so, als wenn Columbus am Ruder gestanden hätte, anstatt die Route zu überprüfen, auf der sein Schiff Richtung Indien steuern soll. Es ist daher wichtig, sich vorher klarzumachen, welche Tätigkeiten man gerne lernen möchte und vor allem auch, welche man bereit ist aufzugeben. Nur wenn du alte Muster ablegst, kannst du als Unternehmer abheben.

4. Frage: Macht meine Reise die Welt besser?

Entdecker, die nur von Reichtum, Macht und Südseeschönheiten geträumt haben, waren meist nicht die, an die man sich lange erinnert hat. Im Gegenteil: Diese Kategorie von Seefahrern beendete ihren Ego-Trip meist kurz nach der Abreise mit einem Pfeil in der Brust oder einem  fiesen Virus im Körper. Noch heute ist die wohl größte Gefahr auf einer Gründerreise, dass du nur einen persönlichen Nutzen suchst. Ein Tipp: Wenn dein eigenes Ziel auch einen allgemeinen Nutzen für die Menschheit bringt, hat dein Startup nicht nur ein besseres Marketing. Ganz abgesehen von der Nachhaltigkeit der Geschäftsidee hat das gute Karma große Auswirkungen auf dein Team. Du findest nur dann großartige Mitstreiter, wenn es bei deinem Business um mehr geht, als um deinen persönlichen Profit.

5. Frage: Wer sind meine Reisebegleiter?

Eine Gründerreise führt dich an die Grenzen deiner Belastungsfähigkeit. Wie bei einer Bergbesteigung geht es natürlich unter anderem genau um diese Herausforderung. Unvergleichbar, das Gefühl, es geschafft zu haben. Aber du kommst nicht ans Ziel, wenn deine Begleiter ständig nörgeln, dass sie Hunger oder Durst haben – oder immer wieder Fragen, ob es wirklich so wichtig ist, oben anzukommen. Wenn deine Begleitung von Zweifeln, Ängsten oder Glaubenssätzen blockiert ist, wird aus der Unterstützung eine Belastung. Nicht selten trägt am Ende einer alleine das ganze Gepäck. Bevor du deine große Reise machst, geht mit deinen Begleitern mal ein paar Nächte ins Hotel und überprüfe die Alltagsangewohnheiten.

6. Frage: Stehst du gerne vor Problemen?

Jeden Tag kommen Kunden, Mitarbeiter, Steuerberater mit dicken Brocken, die aus dem Weg gerollt werden müssen. Das kann dich nerven. Oder du kannst es als deinen Sinn und Zweck sehen: Ein Unternehmer ist dazu da, Probleme zu lösen. Wer sich auf seine Gründerreise begibt und auf den Tag wartet, an dem es keine Probleme mehr gibt, sollte lieber gar nicht erst losfahren. Wenn du dagegen feststellst, dass du dich immer wieder in Situationen bringst, die dich beanspruchen, erscheint mir die Gründerreise die richtige Wahl. Leben am Limit ist auf einer Entdeckungsreise der natürliche Zustand. Andere buchen lieber eine Pauschalreise. Gemütlich wollen es auch die Sidepreneurs – wie bei einer geführten  Safari begeben sich die Teilzeit-Gründer „gut behütet in die weite Welt“. Ob sie so ihre Ziele und Visionen erreichen, bezweifle ich. Erinnert eher an Flamingo als an Unicorn.

7. Frage: Suchst du Komfort oder Abenteuer?

Es gibt diverse Studien, die belegen, dass die erfolgreichsten Unternehmer ihren eigenen Profit nicht zu den wichtigsten Werten in ihrem Lebens zählen. Stattdessen geht es ihnen um Nutzen für die Kunden, um das Überwinden von Grenzen – eben um das Entdecken neuer Welten. Gründern kann man darum vor allem einen Tipp geben: Raus aus der Komfortzone! Backpacker statt Freizeit-Ressort! Wenn du Pfaden folgst, die du sehen kannst, sind es ausgetretene Pfade. Hier wirst niemals eine Entdeckung machen, die vor dir kein anderer bereits auf Instagram geteilt hat. Man muss die ausgetretenen Pfade verlassen, um neue Welten zu entdecken. Dafür brauchst du Mut. Und vielleicht auch Kapital in deinem Rucksack.

8. Frage: Will ich immer besser werden?

Weiter, höher, schneller … diese Werte werden zum Glück gerade in der Asservatenkammer des Turbokapitalismus verräumt. Unternehmern, denen die Zukunft gehört, haben nachhaltigere Ziele. Aber eines haben auch sie: den unbedingten Willen, sich immer weiterzuentwickeln. Wenn du dich gerne zurücklehnst, gerne die Füße hochlegst und lieber mit Chips auf dem Sofa sitzt, als mit spannenden Menschen dein Wissen und deinen Geist herauszufordern, ist die Expedition in unbekannte Welten vielleicht nicht das richtige. Weiterbildung, Lernen und Wissenwollen sind Voraussetzungen für eine erfolgreiche Gründerreise. Nur so wird dein Unternehmen wachsen. Das bedeutet zwar auch mehr Kosten, mehr Arbeit, mehr Verantwortung. Was du zurück bekommst, ist größer: Mehr Erfüllung.

 9. Frage: Mag ich Menschen?

Stell dir vor, du steuerst ein Schiff in Richtung neue Welt. An Bord: ein wilder Haufen Matrosen, ein paar versnobten Kaufleute und ein misstrauischer Steuermann. Was ist wohl deine wichtigste Fähigkeit als Kapitän? Menschenkenntnis. Um die neue Welt entdecken zu können, musst du Menschen für dich gewinnen können – womöglich auch die Ureinwohner auf die du treffen wirst. Schon bei der Zusammensetzung deines Teams, musst du deine Leidenschaft für Menschen unter Beweis stellen. Du brauchst die positive Kraft eines vielfältigen Teams, das sich gegenseitig anfeuert, sich untereinander aushilft und in seinen Qualitäten ergänzt. Diversität ist auf jeder Expedition der entscheidende Erfolgsfaktor. Leider weist du bei der Abreise noch nicht, welche Fähigkeiten du brauchen wirst. Aber du kennst deine Vision und deine Werte.

10. Frage: Wann sind wir da?

Wenn du dich fragst, wann sind wir da? Solltest du vielleicht bereuen, jemals abgereist zu sein. Bei einer Gründerreise gibt es nämlich keinen Endpunkt. Die Reise ist deine lebenslängliche Entscheidung unterwegs zu sein. Denn dein Unternehmen wird sich ständig verändern müssen, um erfolgreich zu bleiben. Jeder Erfolg wird nur eine Etappe auf deiner Reise gewesen sein. Mit frischem Gepäck schlägst du dich wieder ins nächste Dickicht, um ja nicht auf dem Highway überholt zu werden.

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