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Lancie: Karriere- und Community Plattform für Videograf*innen

David und Lukas* finanzierten ihr Studium bereits seit Jahren mit ihrer Arbeit als Freelance-Videografen. Doch was sie vermissten war eine Communityplattform für Designer und Kreative wie Dribbble. Aus Lissabon und München arbeiten sie jetzt am Pretotype von Lancie, mit dem sie zum Ende des Jahres auf Investoren zugehen wollen. Wenn die Plattform angenommen wird.

Hallo David, wie fühlst du dich gerade als frischer Gründer, bei dem es mit seinem Startup so langsam ernst wird?

Aktuell bin ich gerade einfach sehr auf Lancie fokussiert und froh und dankbar, dass wir es bis hierhergeschafft haben. Wir glauben, dass Lancie erfolgreich sein kann und dass das in unseren Händen liegt. Mit dem Förderprogramm des Journalismus Lab haben wir die Bestätigung erhalten, dass es gar nicht so schlecht ist, was wir bisher gemacht haben. Mit bereits mehr als 200 angemeldeten Videograf*innen haben wir bereits bewiesen, dass Videograf*innen eine solche Plattform nutzen wollen. Jetzt gilt es, das gleiche Interesse von Unternehmen zu validieren. Denn was ich allein im letzten Jahr gelernt habe, übersteigt alles, was ich im gesamten Studium gelernt habe. Daher lasse ich mich aktuell nicht von Ängsten ablenken, sondern bin neben meinem Masterstudium in Lissabon voll auf Lancie konzentriert.

Wie kamt ihr dazu Lancie zu gründen und wie lange habt ihr bis zur ersten Zeile Code gebraucht?

Da wir beide selbst als Videografen gearbeitet haben, haben wir gemerkt, welchen Hürden man als freischaffender Videograf gegenübersteht. Um diese Hürden zu vereinfachen, kam die Idee eine Plattform, speziell für Videograf*innen, zu erstellen. Ehrlich gesagt hat das mit der Landingpage nicht lange gedauert. Die Idee war da und von der Namensfindung bis zum Start der Seite waren es dank cooler No-Code-Lösungen keine zwei Wochen. Ich hatte es vorher schon ein paar Wochen im Kopf und wusste genau wie die Seite aussehen sollte.

Ich hatte dann etwa 20 Videograf*innen auf der Seite als ich Lukas von dem Projekt erzählte, den ich schon seit über fünf Jahren kenne und der auch so eine ähnliche Idee hatte, allerdings für FPV-Piloten für Drohnen. Seitdem ist er mit an Board als unser technischer und kreativer Kopf, der das Produktmanagement übernimmt.

Was waren die ersten Schritte, um Lancie umzusetzen?

Im Grunde sind wir erst noch mal einen Schritt zurück gegangen und haben uns gefragt, was unsere Plattform eigentlich sein soll. Meine ursprüngliche Idee war es, eine Transaktionsplattform oder eine Matching-Plattform zwischen Videograf*innen und Firmen anzubieten. Wir haben uns dann andere Plattformen angesehen und uns entschieden eine für Videograf*innen zu bauen, die sie in ihrer beruflichen Karriere von A bis Z unterstützt. Lukas hat angefangen unseren Prototypen zu designen und ich habe weiterhin dafür gesorgt, dass mehr Videograf*innen auf Lancie aufmerksam werden.

Wie sieht der Markt aus und was ist euer USP?

Wir glauben, dass es in Deutschland zwischen 30.000 bis 50.000 Videograf*innen gibt. Es kommen immer mehr junge Leute dazu und die Szene entwickelt sich zu einem ganz neuen Berufsbild durch Plattformen wie Instagram oder TikTok. Sie fangen vielleicht aus einer Leidenschaft an, wollen sich dann aber professionalisieren. Diesen Leuten wollen wir eine Plattform bieten.

Auf der anderen Seite bieten wir Unternehmen an, Videograf*innen schnell und einfach zu finden. Denn auch die brauchen laut Studien immer mehr Video-Content für ihre Webseite, Werbung und Social Media. Für Fotograf*innen gibt es bereits eine Plattform dafür aus Hamburg, die heißt Cherrydeck. Auf Plattformen wie Upwork, Fiverr oder Malt kannst du schon Fotograf*innen und Videograf*innen buchen, die machen aber nur einen Bruchteil des Angebots aus. Was es eben noch nicht gibt ist eine Community für Videograph*innen, wenn man mal von einer Facebook-Gruppe absieht.

Wie sieht euer Geschäftsmodell aus und ab wann könnt ihr profitabel sein?

Wir haben zwei Einkommensströme, auf die wir setzen. Ein monatliches beziehungsweise jährliches Abomodell für Videograf*innen, unter anderem für die der Erstellung eines Portfolios. Das heißt, sie brauchen in Zukunft keine persönliche Webseite mehr, wofür sie ja auch Geld ausgeben würden. Das Abo beinhaltet, dass sie sich auf beliebig viele Jobs bewerben können und damit ermöglichen wir ihnen, dass sie gebucht werden. Wenn sie über die Plattform nur einmal im Jahr gebucht werden, hat sich das schon für sie gelohnt. Und sie haben natürlich Zugriff auf die Community.

Unternehmen zahlen einmal für die Nutzung eines Jahres von Lancie. Im Gegensatz zu Upwork, wo die Vertragspartner meistens an ganz unterschiedlichen Orten sind, sehen sich die Vertragspartner in echt und könnten damit die Transaktion auch privat abschließen. Darum schließt sich das für uns erst mal aus. Darüber hinaus ist es zu Beginn auch leichter umzusetzen und es hilft uns dabei, schnell neue Erkenntnisse zu sammeln.

Bei einem zweiseitigen Geschäftsmodell muss man dafür sorgen, dass immer genug von beiden Seiten da ist. Wie wollt ihr das erreichen?

Unser Ziel ist es, dass Videograf*innen eine so gute Erfahrung durch das Portfolio und die Community bei Lancie haben, dass sie dabei sein wollen, auch wenn sie keine Aufträge über uns bekommen. Das wird jetzt bei unserem Pretotype noch nicht der Fall sein, da wir da noch auf die Jobvermittlung fokussiert sind. Und durch die Jobvermittlung wollen wir die Unternehmen auf die Plattform locken.

Wie entwickelt ihr das Produkt und inwiefern bezieht ihr eure Community darin ein?

Lukas hat das Design mit Figma entworfen und ist gerade dabei unseren Pretotype  zu programmieren. Ein Feature wird das Blog-Feature sein und gerade eben schreiben schon fünf bis zehn Videografen Posts, die wir dann, sobald der Pretotype online geht, einpflegen. Wir haben den Bedarf des Jobboards zum Beispiel so getestet, dass wir auf Instagram neue Jobpostings geteilt haben und darauf haben wir dann immer viele Rückmeldungen bekommen. Wir wissen also, dass das Jobboard funktionieren wird. Und wenn der Pretotype dann online geht, sind wir natürlich total gespannt, wie der ankommt. Wir freuen uns schon auf das Feedback.

Features zu entwickeln, kostet Geld. Wie finanziert ihr euch aktuell und was sind eure Pläne für die Zukunft?

Wir haben das Glück, dass wir zwei Förderungen erhalten haben. Aktuell bezahlen wir uns noch keine Gehälter. Das heißt, das Geld, nutzen wir ausschließlich für die Entwicklung der Plattform und für die Vermarktung. Wenn wir mit dem Pretotype bewiesen haben, dass Lancie funktioniert, dann wollen wir gegen Ende des Jahres auf die ersten Investoren zugehen.

Wie ist euer Team aktuell verteilt und welche Pläne habt ihr, sobald ihr mehr Programmierer, Designer und Online-Marketer einstellt?

Aktuell wohnt Lukas in München und ich in Lissabon, das heißt, wir sind gerade full remote. Das ist ein Modell, das sehr gut funktioniert und wir können uns vorstellen das auch in Zukunft so zu machen. Sollten wir wirklich schnell wachsen, kann ich mir aber auch vorstellen, dass wir gemeinsam in eine Stadt ziehen und da dann das Team aufbauen. Das ist eine Option, aber aktuell haben wir uns noch nicht festgelegt.

Was sind eure Ziele, die ihr während des Media Innovation Fellowship erreichen wollt?

Letzte Woche haben wir gemeinsam mit den Expert*innen des Journalismus Lab die Ziele festgelegt. Im August wollen wir unseren Pretotype mit den drei Features launchen: Jobboard, Profile und Blog. Gleichzeitig starten wir unsere erste Online-Kampagne. Daran arbeiten wir tagtäglich. Lukas ist dabei voll auf das Produkt fokussiert, während ich mich auf die Community und das Online-Marketing fokussiere. Wir wollen natürlich weiterwachsen, Geld investieren in Online- Marketing, denn unsere Videograf*innen-Basis soll viel, viel größer werden, genauso wie die Brand-Seite. Und wenn das alles klappt, dann gehen wir wie gesagt Ende des Jahres auf Investoren zu. Das ist auch erforderlich, um Lancie langfristig international skalieren zu können.

Lieber David, viele Dank für das Interview und viel Erfolg für euer Startup!

*am Anfang war außerdem Simon am Projekt beteiligt. Mittlerweile hat er sich von der Arbeit an Lancie zurück gezogen.

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