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Media Innovation Day: Impulse, Netzwerk und Audio-Content

Über 100 Medienschaffende waren am 21. Januar 2020 zu Gast bei unserem Media Innovation Day, um sich über Innovationen im Journalismus auszutauschen und neue Impulse für die eigene Arbeit mitzunehmen. Ein Rückblick. 

Auf dem Programm standen vielversprechende Medien-Startups und Projekte, die das Potential haben, die Medienlandschaft aufzumischen. Dazu gehörten zum einen Projekte, die im Rahmen unserer Förderprogramme finanzielle Unterstützung oder fachliche Coachings erhalten haben, zum anderen Projekte, deren Ansätze und Entwicklung wir besonders spannend und lehrreich finden. Ein Fokus des Programms lag auf dem Thema Audio, denn journalistischer Audio-Content sowie seine Distribution und Vermarktung werden einen Schwerpunkt unserer Arbeit in 2020 bilden. In den vergangenen beiden Jahren waren sich die Teilnehmenden einig, dass besonders der Austausch untereinander sehr bereichernd war. Auch dafür war diesmal wieder ausreichend Raum und Zeit.

Plakat Media Innovation Day 2020 (c) Christian Herrmann / Journalismus Lab der Landesanstalt für Medien NRW
Fotos: Christian Herrmann / Journalismus Lab der Landesanstalt für Medien NRW

Wie lässt sich mit journalistischen Podcasts Geld verdienen?

Den Start machte der Journalist und erfolgreiche Podcaster Philip Banse. Die Podcast-Leidenschaft hat ihn schon lange vor dem großen Hype gepackt und seitdem veröffentlicht er unter seinem Label Kuechnstud.io verschiedene Podcasts, z.B. das Medienradio. Seit 2016 kehrt er in dem Podcast „Die Lage der Nation“ gemeinsam mit dem Juristen Ulf Burmeyer wöchentlich die politische Lage in Deutschland „zusammen“. Inzwischen ist „die Lage“ einer der bekanntesten und erfolgreichsten deutschsprachigen Podcasts.

Sein Anspruch sei immer gewesen, dass sie langfristig mit dem Podcast Geld verdienen müssten, so Banse. Sie haben viele verschiedene Möglichkeiten dafür ausprobiert. Das Besondere: Sie erzählen davon ihren Hörerinnen und Hörerinnen regelmäßig transparent in ihrem Podcast. Wenn man seinen Hörerinnen und Hörern erkläre, dass wir auch von etwas unsere Miete bezahlen müssen, dann werde das für viele deutlich nachvollziehbarer, sagt Banse.

 

Momentan steht die Lage auf vier finanziellen Standbeinen. Zum einen überweisen etwas über 100 Lage-Hörerinnen und Hörer einfach so Geld auf das Konto, das auf der Lage-Website veröffentlicht ist. Zum anderen können Hörerinnen und Hörer den Podcast mit einem Abo-Modell unterstützten. Das günstigste kostet 4,99 Euro im Monat, das teuerste 149,99 Euro pro Jahr. Dafür gibt es Bonus-Inhalte und die Möglichkeit, den Podcast ohne Werbung zu hören. Die zwei selbst eingesprochenen Werbeblöcke sind eine weitere Finanzierungsquelle der Lage der Nation.

Dabei arbeiten die beiden mit dem Vermarkter AS&S Radio zusammen. Diese Auslagerung empfindet Banse als sehr angenehm, da er nichts von den Befindlichkeiten der möglichen Werbekundinnnen und -kundinnen mitbekommt und so die Werbung klar von den Inhalten trennen kann. Als die überaschendste Finanzierungsquelle hat sich die „Lage Live“ entwickelt. Rund sechs Mal pro Jahr nehmen Banse und Burmeyer die Lage vor Publikum auf und laden dafür quer durch Deutschland in Veranstaltungslocations ein.

Diese Kombination verschiedener Finanzierungsmöglichkeiten sei ideal, sagt Banse. Auch wenn eine der vier Säulen plötzlich wegbrechen würde, so würde das nicht das Ende des Podcasts bedeuten. Das Ausprobieren und Finden der passenden Finanzierungsmöglichkeiten sei natürlich elementar, um ein journalistisches Projekt nicht im Sande verlaufen zu lassen. Aber ohne Leidenschaft für das Thema und das Projekt gehe es natürlich auch nicht, schloss Philip Banse in der anschließenden Fragerunde an.


Medien-Startups aus dem Journalismus Lab Fellowship

Weiter ging es mit den Pitches der vier Medien-Startups aus der aktuellen Runde unseres Fellowships. Was steht hinter ihrer Idee, welchen Ziele haben sie sich gesteckt und welche Hürde während des Programms schon übersprungen?

Nackt und Neugierig: Der Wissens-Podcast

Die beiden Biologinnen und Wissenschaftsjournalistinnen Sophia Wagner und Nele Roessler möchten mit ihrem Podcast Nackt und Neugierig besonders wissenschaftliche Themen beleuchten, die frauenspezifisch sind und in Redaktionsplanungen häuftig noch aussortiert werden. „Nackte Fakten Neugierig nachgefragt“, lautet ihr Motto. Verständlich erklärte Studienergebnisse mischen sie mit persönlichen Erfahrungen, z.B. zu den Themen Verhütung, Angst, Menstruation oder Diät. Also beiweiten nicht nur Themen, die nur für Frauen relevant sind. „Rund 25 Prozent unserer Hörerinnen sind Männer.“, sagen die beiden Gründerinnen. Mehr Infos zum Team Nackt und Neugierig findest Du hier.


hyyp: Wo Lokaljournalismus lebt

Das am frischsten zusammengefundene Team aus dem aktuellen Fellowship hat sich ein großes Ziel gesetzt: Die Rettung des Lokaljournalismus. Das Team von hyyp ist interdisziplinär zusammengestellt mit einem Programierer, einer Designerin und drei JournalistInnen. Lokale Informationen seien weiterhin gefragt, nur Lokalzeitungen seien nicht mehr zeitgemäß und die Bezahlung der Journalistinnen und Journalisten ausbaufähig. Deshalb möchte hyyp eine neue Plattform schaffen, die lokale Informationen sammelt und Nutzerinnen und Nutzer die Möglichkeit gibt, Nachrichten von verschiedenen Orten gezielt zu abonnieren. Mehr Infos zum Team hyyp findest Du hier.


MediaRecSys: Personalisierte journalistische Inhalte ohne Filterblasen

Das ursprünglich als Forschungsprojekt gestartete Team entwickelt ein transparentes Empfehlungssystem für journalistische Inhalte. Das System wird Nutzerinnen und Nutzern sowie Medienhäusern Anpassungmöglichkeiten bieten. Zum Beispiel haben Redaktionen die Möglichkeit einzustellen, wie viele personalisierte Inhalte ausgespielt werden und welche News für alle relevant sind – auch außerhalb der eigenen Filterblasen. „Während Filterblasen für Empfehlungen im Bereich Musik oder Filme nicht relevant, vielleicht sogar gewünscht, sind, ist der journalistische Bereich da empfindlicher.“, so MediaRecSys. Mehr Infos zum Team MediaRecSys findest Du hier.


Robidia: Der autonom fahrende Kamera-Roboter

Den Abschluss der Pitches machte Simon Graw und stellte das Startup Robidia vor. Er hat gemeinsam mit seinem Mitgründer in den vergangenen drei Jahren einen selbstfahrenden Kameraroboter entwickelt. Dabei nutzt Robidia das volle Spektrum moderner KI-Algorithmen und Sensoren, um eine One-Stop Lösung für alle Aspekte der professionellen Videoproduktion (Film, TV, Werbung etc.) zu entwickeln. Ihr Anstatz: Wenn die technische Produktion von Medieninhalten kostengünstiger und effizienter ablaufen kann, dann ist mehr Zeit und Raum sich voll auf die journalistische Qualität zu konzentrieren. Mehr Infos zum Team Robidia findest Du hier.


Speeddating und Rapid Prototyping: Vernetzen und gemeinsam Neues entwickeln

Neben den spannenden Projekten, die sich auf dem Media Innovation Day vorgestellt haben, bot sich am Tag auch viel Raum und Zeit zum Austausch untereinander. Neben den Pausen gab es auch einige Runden Speeddating und eine kurze Runde Rapid Prototyping. Die Teilnehmenden wurden wild in Teams zusammengewürfelt und haben in 15 Minuten die Idee für ein gemeinsames Startup entwickelt. Das Fazit: Das geht durchaus auch in dieser kurzen Zeit!

Viele weitere Fotos dieser Veranstaltung sowie Kontakte zu Speakern und Teilnehmenden findest Du in unserer Slack.Community-für Medienschaffende in NRW


Stadtrevue Plus: Ein Online-Mitgliedschaftsmodell für ein Stadtmagazin

Der Journalist Christian Werthschulte stellte im Inverview mit Stanley Vitte vom Journalismus Lab das Online-Mitgliedschaftsmodell Stadtrevue Plus vor. Im Rahmen eines neuen Online-Konzepts arbeitet das Kölner Stadtmagazin gerade an der Umsetzung eines Paid Content Models, um Online und Offline besser miteinander zu verknüpfen und ein zusätzliches Erlösmodell zu etablieren. Das Projekt konnten wir im Rahmen unserer Produktförderung unterstützten.


Whitepaper: Was brauchen regionale Medienhäuser um einfach mit eigenen Podcasts starten zu können?

Wolfgang Schmitz-Vianden stellte gemeinsam mit Anna Katharina Küsters das gemeinsame Podcast-Pilotprojekt der Aachener Zeitung und Voice Production vor. In einer intensiven Workshop-Woche wurde ein Grundkonzept für ein Nachrichten-Podcast des Aachener Zeitungsverlags erarbeitet und die technischen sowie redaktionelle Anforderungen festgelegt. Das Projekt und die Erstellung eines Whitepapers zum Thema Podcast-Erstellung für regionale Zeitungsverlage konnten wir im Rahmen unserer Produktförderung unterstützten.


Stimmen aus dem Netz

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