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Geförderte Projekte: Stadtrevue Plus

Professioneller Lokaljournalismus erfordert Unabhängigkeit. Das Stadtmagazin Kölner Stadtrevue hat zu diesem Zweck ein neues Format entwickelt: Die Online-Plattform Stadtrevue Plus will investigative Recherchen liefern – und zahlenden Abonnent*innen Raum zur Mitwirkung bieten.  

Die Kölner Stadtrevue geht das Digitale strategisch an: Stadtrevue Plus.
Das Team der Kölner Stadtrevue beschreitet das nächste Level: Stadtrevue Plus.

Ein Beitrag von Christian Werthschulte

Mitglieder für die Zukunft gesucht

Eigentlich dürfte es die Stadtrevue gar nicht mehr geben. Seit über 40 Jahren berichtet unser Magazin in Köln über Kultur, Politik und Stadtleben in der größten Stadt Nordrhein-Westfalens – auf Papier und seit drei Jahren auch mit einem E-Paper. Und dabei sind wir immer unabhängig geblieben. Die Stadtrevue gehört keinem großen Medienhaus, sondern den 25 Mitarbeiter*innen des Verlags.

„Wir haben so lange überlebt, weil wir nicht jeden digitalen Medientrend mitgemacht haben und deshalb in den Nuller Jahren kein Geld verbrannt haben“, erläutert Daniel Poštrak, der als Grafiker in der Stadtrevue arbeitet. Aber sich der Digitalisierung verschließen, das wollen unsere Mitarbeiter*innen auch nicht. Deshalb haben wir ein fünfköpfiges Team gegründet, das drei Monate lang auf Ideensuche gegangen ist.

Das Team hat recherchiert, wie man Lokaljournalismus finanziell sichern kann und sich gefragt, ob diese Erlösmodelle mit den Werten des Stadtrevue Verlags in Einklang zu bringen sind. Schließlich haben wir ein Mitgliedschaftsmodell entwickelt: Stadtrevue Plus.

„Mitgliedsschaftsmodelle sind eine der wenigen Erfolgsgeschichten im Online -Journalismus“, sagt Christina Prediger, die in der Terminredaktion der Stadtrevue arbeitet. Besonders die Arbeit der niederländischen Website „De Correspondent“ hat einen positiven Eindruck im Stadtrevue-Team hinterlassen. Die niederländische Website existiert seit 2013, im vergangenen Jahr hat sie mit einer Crowdfunding-Kampagne 2,4 Millionen Euro eingesammelt, um ein englischsprachiges Angebot in den USA zu starten. „De Correspondent“ konzentriert sich auf hintergründige und investigative Berichterstattung.

„Das kommt unserem Verständnis von Journalismus entgegen“, sagt Christian Werthschulte, Literatur- und Politikredakteur. „Als Monatsmagazin fokussieren wir uns schon heute auf hintergründige und erklärende Texte.“ Mit der tagesaktuellen Berichterstattung der Kölner Zeitungsverlage oder des WDR könne die Stadtrevue schon aufgrund ihrer kleinen Redaktion nicht konkurrieren: „Das wollen wir aber auch nicht.“

Zurück zu den Wurzeln

„Wir haben als Medium der neuen sozialen Bewegungen begonnen“, erzählt Christoph Ganslmeier, der seit den 90er Jahren als Grafiker im Stadtrevue-Verlag tätig ist. In alten Ausgaben der Stadtrevue finden sich recherchierte Artikel der Redaktion neben Selbstdarstellungen politischer Initiativen und Debattenbeiträgen, etwa über die Rolle der damals gerade gegründeten Grünen in der Kölner Stadtpolitik.

Ab den frühen 90er Jahren wurde die Rolle der Redaktion bei der Gestaltung des Magazins dominanter, auch wenn die Themensetzung ähnlich blieb. „Mit dem Mitgliedschaftsmodell gehen wir quasi einen Schritt zurück zu unseren Anfängen“, sagt Ganslmeier. Zwar würden die politischen Initiativen mittlerweile über die sozialen Medien selber ein Publikum für ihre Anliegen finden, aber eine Redaktion habe andere Ressourcen, ein Thema zu recherchieren: „Unser Journalismus soll dazu dienen, dass die Kölner*innen besser über ihre Stadt informiert sind und sich aktiv für ihre Interessen einsetzen können.“

Die Zukunft der gedruckten Stadtrevue steht für uns dennoch nicht zur Disposition. „Wir können und wollen auf die Stadtrevue als Print-Heft nicht verzichten“, sagt Katharina Mrugalla, die für den Stadtrevue Verlag die Museumsnacht Köln organisiert und das Marketing von „Stadtrevue Plus“ übernimmt. Etwa zwei Drittel der Hefteinnahmen werden mit Anzeigen im Printbereich erzielt. Diese Einnahmen sind zwar geringer geworden, aber für das Überleben des Verlags samt seiner Onlineprojekte weiterhin notwendig.

Zudem ist das Leseverhalten unterschiedlich: „Millennials wie ich lesen kaum noch Journalismus auf Papier“, sagt Mrugalla. „Aber auch wir interessieren uns für Stadtplanung und soziale Themen in Köln.“  Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, den Mitgliedern von Stadtrevue-Plus sowohl einen Onlinezugang, ein E-Paper und die gedruckte Ausgabe zur Verfügung zu stellen.

So muss niemand auf sein Lieblingsformat verzichten. Studierende und Inhaber*innen des KölnPass, der den Bezug von Sozialleistungen ermöglicht, sollen einen geringeren Monatspreis zahlen, wer über mehr Einkommen verfügt, kann uns mit einem Supporter-Abonnement unterstützen.

Start im Herbst

Bis es so weit ist, vergehen jedoch noch ein paar Monate, schließlich entwickeln wir das alles neben unserem Tagesgeschäft. Stadtrevue Plus soll im Herbst 2020 endgültig online gehen. „Wir müssen noch am Design der Seite arbeiten, außerdem sind noch ein paar Arbeiten am Backend nötig“, sagt Programmierer Ralf Blask. Die ersten Vorarbeiten sind jedoch schon abgeschlossen. Ende 2019 ist die erneuerte, responsive Website stadtrevue.de online gegangen, die die Basis für „Stadtrevue Plus“ bildet. Seit dem Jahreswechsel produziert die Redaktion zudem einen monatlichen Podcast (stadtrevue.de/podcast). Im Frühsommer 2020 soll eine große Testphase mit den bisherigen Stadtrevue-Abonnent*innen sowie weiteren Interessierten beginnen.

Ab diesem Zeitpunkt sollen auch die Arbeitsabläufe innerhalb der Redaktion umgestellt werden. „Im Moment produzieren wir auf eine monatliche Deadline hin“, sagt Redakteur Christian Werthschulte. Mit „Stadtrevue Plus“ will unsere sechsköpfige Redaktion jedoch tagesaktueller reagieren können. „Wir müssen uns dafür neu organisieren und wollen die Testphase von Stadtrevue Plus nutzen, um verschiedene Arbeitsabläufe auszuprobieren“, erläutert Werthschulte.

Mitte April beginnen wir mit einer Crowdfunding-Kampagne für „Stadtrevue Plus“. „Das ist die größte Marketingkampagne, die unser Verlag jemals gemacht hat“, sagt Katharina Mrugalla. Mindestens 12.000 Euro wollen wir so einsammeln, um die Arbeit an „Stadtrevue Plus“ abzuschließen. Und für die Zeit danach haben wir uns auch ein Ziel gesetzt. Innerhalb des ersten Jahres wollen wir 1000 neue Mitglieder gewinnen.

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