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„Unser Audio-Tool soll für alle kostenlos nutzbar sein“

Die Podcast-Agentur One Pod Wonder entwickelt das cloud-basierte Tool „Anywave“, das die Zusammenarbeit von Audioproduzentinnen und -produzenten erleichtern soll. Mitgründer und Geschäftsführer Lukas Sam Schreiber über den Stand des Projektes und die ersten Learnings aus der Testphase.

Lukas, wann habt ihr bei eurer Arbeit festgestellt, dass euch ein digitales Tool fehlt?

Unsere Agentur ist zum einen auf Wissensformate im Technologie- und Wirtschaftsbereich spezialisiert, zum anderen auf Audioproduktionen mit sehr hohem Produktionsaufwand beispielsweise für Audible. In beiden Sparten ist der Abstimmungsbedarf mit Kunden und Plattformen hoch, das kostet Zeit und verkompliziert den gesamten Produktionsprozess. Es fängt schon dabei an, dass existente Revisions-Tools nicht für Audio-Formate optimiert sind. In den allermeisten Fällen werden sie einfach als Attachments oder per Drive-Link versendet und müssen heruntergeladen werden. Wenn dann noch Feedback zu einzelnen Stellen hinzukommt, wird es richtig zeitintensiv.

 

Inwiefern?

Oft stimmen die angegebenen Timescodes nicht exakt mit der Stelle überein, zu der es Anmerkungen gibt. Zudem bekommen wir das Feedback auf unterschiedlichste Weise: per Excel-Tabelle, in Mails oder über Whatsapp. Das müssen wir dann synchronisieren. Mit einem Tool könnten alle Stakeholder an einer Datei arbeiten und sekundengenau Anweisungen oder Kommentare hinterlassen. Da wir generell an der Schnittstelle zwischen Technologie und Content arbeiten, war uns schnell klar: Wir müssen so ein Tool entwickeln.

 

Erstaunlich, dass es das noch nicht gibt, oder?

Ja, wir konnten es auch nicht glauben. Manche Video-Tools kann man auch für Audiodateien nutzen, aber sie sind nicht dafür optimiert. In einer ersten Projekt-Phase haben wir daher zunächst versucht, das Problem für die Audiobranche zu validieren: Geht es anderen auch so wie uns?

 

Was war die Antwort?

Wir haben schnell festgestellt, dass viele damit konfrontiert sind, nicht nur in der Podcast-Industrie, sondern beispielsweise auch in der Musikbranche. Sie alle lösen das Problem auf unterschiedliche Art und Weise, mit Hilfsmitteln wie Mail oder Whatsapp. Die spannende Frage für unseren Proof-of-Concept ist nun: Ist das Problem auch groß genug, dass es sich lohnt, eine Umsetzung dafür zu entwickeln? Würden Nutzerinnen und Nutzer Zeit und Geld investieren, um damit zu arbeiten? Bei diesem Teil der Arbeit hat uns die Förderung des Journalismus Lab sehr geholfen.

 

Habt ihr dazu schon Erkenntnisse?

Aus unseren Umfragen können wir tatsächlich schon gute Ableitungen machen. Grundsätzlich scheint es die Bereitschaft zu geben, Geld für ein cloud-basiertes Audio-Tool auszugeben, insbesondere im Unternehmensbereich. Dennoch stellen wir uns Anywave nicht als reines C-Level-Produkt vor, sondern wollen ein Tool bereitstellen, das in einer rudimentären Version alle umsonst nutzen können. Wer mehr Funktionen möchte, bekommt ein Bezahl-Angebot.

 

So ähnlich wie es beispielsweise die Plattform Wetransfer anbietet?

Genau. Auf Anywave wird man sehr direkt und schnell Audio-Dateien senden und kommentieren können. Kostenpflichtig wird es für Heavy User, die beispielsweise eine Datenbank benötigen, über die verschiedene Teammitglieder auf die gleichen Audiodateien zugreifen können. Von diesen leidenschaftlichen Nutzern werden wir auch die nötigen Daten und Insights erhalten, um das Tool immer weiter zu iterieren.

 

An welchem Punkt in diesem Entwicklungsprozess seid ihr gerade angelangt?

Konkret geht es nun um die Frage, wie wir unseren Proof-of-Concept so gestalten können, dass Leute unser Tool auch nutzen. Daran arbeiten wir. Unsere Product-Roadmap haben wir bereits gemeinsam mit externen Developern entwickelt. Die dazugehörigen Wireframes, also das grobe Gerüst der Seiten, haben wir zu großen Teilen selbst gebaut. Nutzerinnen und Nutzer probieren nun in AB-Testings aus, ob sie sich intuitiv auf den Seiten zurechtfinden. Im Anschluss daran werden wir coden, so dass Nutzerinnen und Nutzer das Tool testen können – wobei wir am Anfang nur fünf der später insgesamt circa 95 Funktionen zur Verfügung stellen werden. So können wir wichtige Daten für die Weiterentwicklung sammeln.

Steht schon fest, wer das Tool in der Beta-Phase testen wird?

Dafür sind wir im Gespräch mit größeren Medienunternehmen, darunter auch einige journalistische, und Agenturen aus dem Audio-Bereich. Insgesamt steht uns ein Pool von zehn bis 20 Unternehmen zur Seite, die das Tool testen werden. Ich denke, diese Phase können wir zur Mitte des dritten Quartals abschließen. Danach entscheidet sich, in welche Richtung sich das Tool weiterentwickelt.

 

Die Weiterentwicklung des Tools Anywave konnte das Journalismus Lab im Rahmen des Programms Audio Innovation unterstützen.

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