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„Wir entwickeln die App bewusst mit der Community“

Was mit Medien, der Medien-Podcast aus Nordrhein-Westfalen, ist nun in einer eigenen App zu hören. Mitgründer Daniel Fiene über ihre Bedeutung für Bezahlinhalte und das Experiment mit Transkriptionen.

Daniel, was versprecht ihr euch von einer eigenen App?

Daniel Fiene: Eigentlich ist die Podcast-Welt ja sehr offen, man kann jeden Podcast in jeder beliebigen Streaming-App hören. Tatsächlich gibt es dabei aber Einschränkungen, je nach App ist beispielsweise das Hörerlebnis sehr unterschiedlich, und nicht alle Funktionen stehen überall zur Verfügung. Insbesondere wenn man wie wir Angebote für eine eigene Community schaffen möchte, ist man sehr limitiert.

 

Welche Angebote sind das?

Unser Podcast ist grundsätzlich frei zugänglich, aber wir ergänzen das kostenlose Angebot über ein Membership-Modell mit Bonusinhalten. Das können zusätzliche Episoden sein, beispielsweise zu Meet-Ups, die wir veranstaltet haben, oder zu Studien, deren Inhalt wir in fünf-minütigen Audiotakes zusammenfassen. Oder wir fügen besondere Links und weitergehende Informationen zu den Themen im Podcast ein. Für Medien, die ihre Community nachhaltig an sich binden und auf ihre Bedürfnisse eingehen wollen, ist das essentiell.

 

Inwiefern?

Dahinter steht letztlich die Frage, wie sich in der Audiowelt Bezahlmodelle realisieren lassen. Unsere App, die wir gemeinsam mit Konsole Labs entwickelt und jetzt gelauncht haben, ist dafür ein wichtiges Tool. Sie ist frei zugänglich für alle, die gerne Podcast hören möchten, stellt aber auch Bonusinhalte bereit und wird dem Community-Aspekt gerecht, indem sie zum Beispiel eine direkte Beteiligung ermöglicht.

 

Wie kann ich mich als Hörerin denn einbringen?

Über einen direkten Messenger können alle direkt mit dem Team in Kontakt treten. Umgekehrt sind wir damit in der Lage, Umfragen zu starten, in denen wir zu einzelnen Themen oder Fragen das Feedback der Community einholen und einbauen können. Auf diese Weise ermöglichen wir einen interaktiven Zugang, den wir auf anderen Plattformen nicht anbieten können. Das betrifft besonders individuelle RSS-Feeds, mit denen wir im Rahmen des Membership-Modells arbeiten. Über sie liefern wir einen persönlichen Identifyer für zahlende Hörer*innen mit. Ist das Abo aktiv, werden Bonusinhalte individuell ausgespielt. Auf den Plattformen müssen sie manuell eingefügt werden, was viele abschreckt und zu einer großen Absprungrate führt. Die App bietet unkompliziert einen direkten Zugang.

 

Das heißt, sie erhöht den Anreiz, eine Mitgliedschaft abzuschließen?

Genau. Bisher gibt es für individuelle RSS-Feeds in den klassischen Podcast-Verzeichnissen noch keine Lösung. Die Verzeichnisse haben den Vorteil, dass man einem Podcast mit einem Klick folgen kann. Aber das gilt immer nur für den Hauptfeed. Wir haben zwar eine relativ schöne Lösung dafür gefunden, wie man unseren individuellen Feed abonnieren kann, aber ich erhalte dennoch regelmäßig Mails von Mitgliederinnen und Mitgliedern, die fragen, wie sie an die Bonusinhalte kommen. Wir hoffen, dass wir das für Userinnen und User mit unser App nun besser gestalten. Eine Lösung dafür wollen übrigens nun auch Apple und Spotify mit ihren neuen Podcast-App-Modellen bieten.

 

Wäre das für euch auch hilfreich?

Aus Sicht der Userinnen und User dürften die Kaufprozesse bei beiden Apps sehr simpel sein. Allerdings haben die Systeme auch Nachteile: Bei Apple Podcasts bleiben die zahlenden Hörerinnen und Hörer eine anonyme Masse – Apple hält die Hand über die Kundenbeziehungen. Bei Spotify könnte dies ähnlich aussehen. Deswegen ist eine eigene App wie unsere als zusätzliches Angebot nach wie vor wichtig. Die Community-Funktionen hatten bei der Entwicklung der App daher Priorität, aber sind nicht das einzige Ziel. In einem zweiten Schritt wollen wir verstärkt neue Technologien nutzen und in der App auch Transkriptionen anbieten.

 

Weshalb wollt ihr die Episoden auch zum Lesen anbieten?

Transkripte werden oft nachgefragt, aber wie sie tatsächlich genutzt werden, wissen wir noch nicht. Daher wollen wir Erfahrungswerte sammeln. Wie werden Transkriptionen von der Hörerschaft angenommen oder wie müssen sie aufbereiten sein, damit dies gelingt? Diese Frage stellen sich zurzeit viele, große Medienhäuser ebenso wie einzelne Medienschaffende.

 

Theoretisch könnte sich am Ende auch herausstellen, dass sie nicht relevant genug sind?

Ja, das könnte aus Sicht der Hörendenschaft ein Ergebnis sein. Daneben gibt es aber einen weiteren Aspekt, der Transkriptionen so interessant macht: Sichtbarkeit. Noch vor ein paar Jahren ging es vor allem darum, Abonnentinnen und Abonnenten für einen Podcast zu gewinnen. Mittlerweile ist das Angebot so groß, dass man für jede einzelne Episode um Hörerinnen und Hörer kämpft. Deshalb ist es wichtig, die Themen sichtbar zu machen. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, man kann sie zum Beispiel über Social- Media-Kanäle kommunizieren. Der zweite Ansatz ist die Transkription. Man kann sich das Thema dann nicht nur in Ruhe durchlesen, wenn man sich dafür interessiert, sondern schon am Anfang viel besser scannen, ob einen die Themen interessieren.

 

Wenn ich im Transkript etwas spannendes lese, kann ich mich dann an der Textstelle direkt in die Audiodatei klicken?

So ist es angedacht, aber noch nicht entwickelt.

 

Bisher gab es dafür eine Art Inhaltsverzeichnis in Form von Show Notes mit Timecodes. Warum genau soll es ausgeweitet werden?

Dabei geht es auch um die Sichtbarkeit für Suchmaschinen. Je mehr Informationen und Namen wir zu interessanten Personen oder Themen nennen können, desto besser sind unsere Episoden im Netz auffindbar. Auf diese Weise können wir Menschen auf unseren Podcast aufmerksam machen, die zuvor noch nie von ihm gehört haben.

 

Ist die Technologie schon so weit, dass Audioinhalte schnell und verständlich transkribiert werden können?

Das müssen wir klären. Aus meiner journalistischen Tätigkeit weiß ich nur zu gut, wieviel Arbeit man noch investieren muss, nachdem ein Transkriptionstool über ein Audiointerview gelaufen ist. Unser Ziel ist es jetzt herauszufinden, wie man das Problem möglichst gut, aber mit minimalem Aufwand lösen kann. Dabei spielen letztlich auch die Wünsche der Hörendenschaft eine Rolle: Legt sie eher Wert auf Schnelligkeit oder auf Gründlichkeit? Um das herauszufinden, bieten sich unterschiedliche Iterationen an. Wie bei allen Funktionen geht es auch hier darum, Aufwand und Nutzen – für uns, aber auch für die Hörer*innen – abzuwägen. Daher wollen wir die App ganz bewusst mit der Community entwickeln und unsere Learnings im Anschluss veröffentlichen. Insofern wird die App hoffentlich auch einen Impact auf die Branche haben.

 

Die Was mit Medien-App konnte das Journalismus Lab im Rahmen unseres Programms Audio Innovation unterstützen.

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